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Turnfahrt 2016

                                                               Zwei glanzvolle Tage

 

Sonniges und heisses Wetter war vorausgesagt worden. Und so kam es dann auch. Nachdem wir 33 Turnkameraden von den Reiseleitern Helmut Jäger und Urs Gebert am Bahnhof Uerikon am Samstag, 27. August,  kurz vor sechs Uhr begrüsst worden waren, setzte sich der Car der Ustemer Firma Ryffel mit leichter Verspätung um 6.10 Uhr in Bewegung. Chauffeur Eric Hengartner führte uns dann in sicherer Fahrt via Rapperswil, Uetliberg-Tunnel, Oensingen, Balsthal und durch den hügeligen Jura bis in den Puntruter Zipfel nach St.Ursanne. Nur Minuten später gelangten wir zu Fuss durch das 1665 erbaute Stadttor (die porte Saint Pierre) ins mittelalterliche Städtchen mit seinen 688 Einwohnern. Hier schien die Zeit stillgestanden zu sein, und als erstes atmeten wir den feinen Duft von frisch gebackenem Brot aus der nahen boulangerie ein, bevor wir uns dem „Hotel des Deux Clefs“ näherten. Der Vorbau des Hauses dient als Restaurant und mag einer Art Laubsägeli-Werk nachempfunden sein. Hier spendete uns Marcel Rüdisüli Kaffee und Gipfeli, und wir konnten uns an den schönen Häuserfronten und dem fröhlichen Leben und Treiben hier auf den Gassen kaum satt sehen !

Entlang des Doubs

Man hätte diese schöne Stimmung gerne angehalten. Aber schon nach einer guten halben Stunde bliesen die Organisatoren zum Aufbruch, und für das Gros begann nun der strenge Marsch, während die übrigen Kameraden eine weniger lange Wanderung unter die Füsse nahmen. Vorerst passierten wir das zweite der drei Stadttore, die porte Saint Jean, das sich am Ufer des Doubs befindet. Diesen überquerten wir sogleich auf einer provisorischen Brücke, da die alte Brücke zur Zeit saniert wird. Der Fluss war nun während fast drei Stunden bis zur passerelle de la Charbonnière (455 MüM) unser Begleiter. Es war malerisch, diesem entlang zu wandern, durch schattige Laubwälder, über Weiden und dicht vorbei an einer Kuhherde. Auf dem anderen Ufer sahen wir Kinder spielen oder auch im Flusse baden. Wir begegneten hier nur wenigen Leuten, so etwa einer Gruppe junger Damen einer Provatkllinik aus der deutschen Schweiz.  

Nach der Passerelle gab es bis Soubey  kaum mehr Schatten, und bei sengender Sonne hiess es,  die letzten Kräfte zu  mobilisieren. Erst kurz vor der Ortstafel ergab sich die Möglichkeit, sich im „Relais du Doubs“ bei einem kühlen Bier zu erfrischen. Hier war übrigens gleich neben dem Restaurant der Start für das Oldtimer-Rally mit vorwiegend englischen Autos aus den fünfziger Jahren. Da das Forellen-Essen im Hôtel du Cerf erst auf 15 Uhr angesagt war, kamen auch wir Nachzügler (Dieter Kempkes, Martin Meuli, René Bosson und ich)  nicht zu spät zu diesem Fest-Schmause !

Anders als vor 33 Jahren…..

…. mussten wir um halb fünf Uhr  nicht noch eine zweistündige, steile Wanderung nach Montfaucon unter die Füsse nehmen. Das war für uns damaligen Teilnehmern -übrigens ebenfalls unter Leitung von Helmut sowie des verstorbenen Jost Egli - sehr hart. Aber 1983 waren wir eben noch beträchtlich jünger und sportlicher. So aber brachte uns der Car die paar hundert Höhenmeter bis ins Hochtal von Saignelégier hinauf, wo wir im „Cristal“ sehr gut und meist in Zweier-Zimmern untergebracht waren.

 

Schwimmen, Apéro, Nachtessen, gemütliches Beisammensein

Beim Hotel handelt es sich um eine Art Mehrzweck-Gebäude mit Turn- und Eishalle, riesigem piscine und später angebautem Hotel. Ruedi Zemp hatte die Entstehungsgeschichte in Erfahrung gebracht und war –wie wir- des Lobes voll über das nun selbsttragende Werk, das seit über einem Jahrzehnt in vollem Betrieb ist und überregionale Ausstrahlung hat. Für eine Stunde schwammen daher die meisten von uns ausgiebig in dieser grossen Halle.  Irgendwann hatte es sich jedoch herumgesprochen, dass um 19 Uhr im Freien ein Apero stattfinden würde. Jean Py, der zu morgendlicher Stunde die Verspätung verursacht hatte, erwies sich als grosszügiger Spender. Es gab nicht nur Waadtländer Weissen, sondern auch kleine Häppchen. Am gleichen Tag taten sich demnach gleich zwei Spender hervor, die um das leibliche Wohl von uns Turnkameraden besorgt waren !  Das Nachtessen wurde anschliessend im Restaurant eingenommen und war  mit Kalbfleisch, Kartoffelstock und Gemüse sehr reichhaltig. Und weiter schlemmten wir beim Dessert, dem feinen Zwetschgen-Sorbet.

Für noch mehr als zwei Stunden zog es dann die „Mannen in ihren weissen Hemden“ wieder ins Freie. Es war ein milder, warmer Abend, an welchem bis kurz vor Mitternacht gesellige Runden bei guter Kameradschaft und zunehmend persönlichen Gesprächen gemeinsam einen (oder mehrere ?) Schlummerbecher tranken.

Sonntag, 28. August. Abschied von Heinz Büchi.

Nach dem Frühstück verabschiedete sich Heinz, weil zuhause eben der vierzigste Geburtstag ihrer Tochter gefeiert wurde. Für 23 Turnkameraden hiess es dann, um neun Uhr los zu marschieren, während die übrigen Kameraden eine Stunde später den Car bestiegen. Landschaft und Stimmung waren nun anders als tags zuvor. Während gut anderthalb Stunden ging es über die sanften Juraweiden, vorbei an den grossen, weiss gestrichenen Jurahöfen mit ihren Truthennen und den vielen Pferden. An Abhängen sonnten sich die Stuten mit ihren Fohlen: ein prächtiges Bild. Und auch hier: reine, unverdorbene Natur. Das muss der Nachwelt unbedingt so erhalten bleiben !

Am Etang de la  Gruère

Das Gleiche gilt natürlich auch für dieses herrliche Naturreservat, durch das wir später kamen und wo unsere Wanderung endete. Einige Kameraden umrundeten den riesigen Weiher. Aber offenbar nahmen nur Röbi Stamm und der Berichterstatter die Gelegenheit wahr, in diesem Moorsee ein kühles, erfrischendes Bad zu nehmen. Anders als  1983  gab es nun ein Einsteige-Podest mit einer Holztreppe. Was allerdings noch gleich war, war die bräunliche Farbe des Wassers und die ölige Schicht, die sich beim Schwimmen über den ganzen Körper gelegt hatte.

Letzte Mahlzeit im gemütlichen „Guillaume Tell“

Gegen 13 Uhr langten auch die Letzten mit dem Car in dieser typisch jurassischen Beiz an. Und auch diesmal fanden wir wieder einen Sponsor. Die Hechtkasse spendierte uns die reichlich bemessenen Platten voll Fleisch, Käse, Tomaten und Gurken, sodass  einmal mehr niemand hungrig oder auch durstig vom Tische gehen musste….Interessant war hier, dass Philip Hänggi sich bald einmal mit der uns bedienenden Serviertochter in ein intimes Gespräch vertiefte. Er hatte offenbar herausgefunden, dass auch sie in Birsfelden aufgewachsen war. Ob ihr Dialekt sie verraten hatte? Jedenfalls ist es in der Schweiz immer wieder verblüffend, wie rasch man mit Unbekannten eine Basis hat oder auch gemeinsame Bekannte. Beim Berichterstatter traf dies am Samstagabend zu, als er sich kurz  mit den ebenfalls im „Cristal“ logierenden Kameraden vom Männerturnverein Amriswil/TG unterhielt.

Viel früher als geplant erfolgte die Heimfahrt, und schon kurz vor fünf Uhr bedankte sich jeder Turnkamerad beim Abschied noch persönlich bei Helmut und Urs. Wir haben ihnen zwei schöne, erlebnisreiche und genussvolle Tage zu verdanken!

 

Bericht: Fredi Rechsteiner/ 29.8.2016

Fotos: Martin, Peter, Ernst, Philip, Röbi 

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