Drei Tage voller Sonnenschein und Ueberraschungen

Die Turnfahrt zum 50-jährigen Jubiläum  fand vom 25.- 27. August 2017 statt. 36 Turnkameraden folgten der Einladung der beiden Reiseleiter Edi Zollinger und René Dürr und kamen in den Genuss  von drei schönen, erlebnisreichen Tagen in guter Kameradschaft.

Eine erste Ueberraschung wurde uns schon auf der Alp Grüm bereitet, wo die Turnkameraden nach der Panorama-Fahrt über den Berninapass  kurz vor elf Uhr dem Bernina-Express BEX 951 entstiegen und dort  gleich schon der weisse Saint Saphorin in den grossen, runden  Weingläsern zu perlen begann.  Für eine halbe Stunde wurde nun in aufgeräumter Stimmung der Apéro im Angesicht des Palügletschers genossen, bevor der Abstieg nach Cavaglia begann, wo wir dann im Gletschergarten von Romeo Lardi empfangen und bewirtet  wurden.  Später führte uns Romeo dann  durch die von ihm und seinem Verein  errichtete  Anlage mit ihren zahlreichen Gletschermühlen, die bis hinab in die Poschiavina reichten. – Einige Kameraden und auch der Berichterstatter liessen es sich später  nicht nehmen,  im „Vagun Panoramic“, einem umgebauten, offenen Viehwagen, den die Rhätische Bahn bei schönem Wetter jeweils  an das Ende des Zuges hängt,  zu Tale zu fahren. Die 700 Höhenmeter überwand die Bahn in zahlreichen Kehrtunnels und langte eine Stunde später in Le Prese an, wo wir gleich neben der Bahnstation im „La Romantica“ die Zimmer bezogen.

Schon der Abend zeigte uns, dass wir hier sehr  gut aufgehoben waren. Das Essen in diesem Hotel, das zwar nur drei Sterne hat, mundete allen Teilnehmern hervorragend. Das gilt auch von den Veltliner Weinen, die rege konsumiert wurden. Das Wirte-Ehepaar Flavio und Sandra Lardi betreuten uns sehr persönlich. Schon am Abend hielt Flavio einen längeren Vortrag über die Region des Valposchiavo. Das Tal hat kaum 5‘000 Einwohner. Arbeitslosigkeit kennt man keine und das Gesundheitswesen scheint  gut zu funktionieren, was am Beispiel des vor zehn Jahren mit Kaiserschnitt  gesund zur Welt gekommenen Sohnes Jan sehr anschaulich belegt wurde.

Flavio stand uns aber auch am Samstagmorgen zur Verfügung, als er uns vorerst dem See entlang führte und später durch die Kräutergärten und den Betrieb der Raselli Erboristeria Biologica. Sandra übernahm uns anschliessend und führte uns strammen Schrittes bis vor den Hauptort des Tales, wo dieses  von der Reiseleitung geplante  Gruppenbild entstand. Die spätere Weinprobe und das Mittagessen vor der Hosteria del Borgo führten allerdings zu einer kleinen Verspätung, mit der die Führung durch das Zentrum von  Poschiavo begann. Dennoch endete diese rechtzeitig  am Bahnhof, von wo aus sich die meisten Kameraden  im Viehwagen nach Le Prese zurückbringen liessen.

Das waren Tage voller Erlebnisse und Ueberraschungen, und wenig später empfing uns die Wirtefamilie auf der von ihnen vor etwa Jahresfrist erworbenen „Sassalba“ (früher „Rütli“) und machte mit uns auf dem Lago di  Le Prese (nicht Poschiavo !) eine kleine Rundfahrt, während der den Turnkameraden in ihren weissen Hemden der reichhaltige Apéro serviert wurde. Erst später entlud sich ein Gewitter im Alpenraum, ohne dass allerdings mehr als ein paar Regentropfen fielen.

Der Sonntag brachte die muntere Turnerschar vorerst  wieder über den Berninapass  bis nach Morteratsch, wo sie im Angesicht von Palü, Piz Bernina und Biancograt ihren Brunch einnahmen und zwischenhinein einen Blick in die Schaukäserei werfen konnten, bevor es um 14 Uhr strammen Schrittes –aber wieder ohne Gepäck- dem Bahnhof Pontresina zu ging. Von hier aus führte uns der Bernina-Express wieder durchs imposante Albulatal, und rechtzeitig erreichten wir  Chur und dann später Stäfa und Uerikon.  Für die erlebnisreichen Tage danken wir der Reiseleitung herzlich und übermitteln den beiden Kameraden Klaus Pfaff und Ruedi Zemp unsere  besten  Genesungswünsche. 

PS: Dieser Bericht wurde gerafft , da er auf den in unserer Chronik reservierten Seiten 84-85 zusammen mit 10 Bildern Platz finden musste. Unsere  Chronik  „ 50 Jahre MTVÜ“ geht zusammen mit diesem Bericht demnächst in Druck. Die Vernissage findet  dann  am Jubiläumsabend vom 6. Oktober statt.

Eine Erinnerung, die uns bleiben wird, hängt mit dem Spaghetti-Kauf von Röbi Stamm zusammen. Er kaufte am Samstagmittag in Poschiavo einen Meter lange Spaghetti, die dann während anderthalb Tagen seine Begleiter waren. Um sich vor deren Bruch zu schützen, liess er sie von Sandra sozusagen bruchsicher verpacken. Sie glichen dann einem weissen  Spazierstock. Röbi behauptete, dass er diese  Spaghetti unzerbrochen kochen werde. An einer diesbezüglichen  Demonstration wären wir natürlich interessiert und würden eine Einladung zum Spaghetti-Plausch gerne annehmen !.....

Nach der Führung durch die Kräutergärten zeigte uns Ludwig  das seiner Familie gehörende Maiensäss oberhalb von Poschiavo , wo sie eben erst Ferien gemacht hatten. Wir wollen uns bei dieser Gelegenheit aber daran erinnern, dass das Leben in dieser Talschaft hart ist und einer Art Ueberlebenskampf gleicht. Um so mehr bewunderten wir diese tolle Wirtefamilie, die so initiativ zu Werke geht. Flavio ist hier Mitglied des Gemeinderats. Ueber die Anschaffung seines 70‘000 Franken teuren  Schiffes wurde bereits berichtet. Nur nebenbei gesagt, musste aber auch noch ein  ziemlich langer Steg in den See hinaus gebaut werden. Neben der Gesamtsanierung des Hotels hat er auch dafür gesorgt, dass in der Nähe seines Hotels ein Eisfeld mit künstlichem Eis entstand, wo sich ihr Sohn Jan als „ Eishockeyianer“ erfolgreich und mit Begeisterung  betätigt. Und: nur Minuten nach Ankunft des Schiffes stand Flavio als Koch bereits wieder am Grill und war für unser leibliches Wohl besorgt.

Es wäre schön, wenn wir diese sympathische Familie auch in Zukunft unterstützen könnten, was natürlich am besten durch Weiterempfehlungen  und   weitere Besuche zu realisieren wäre. Die Rhätische Bahn ist wohl als Lebensader für das Tal sehr wichtig. Aber sie führt eben bis nach Tirano ins Veltlin hinunter, was  zur Folge hat, dass Le Prese meist links liegen gelassen wird. Mit unserer Turnfahrt, an der sehr viel konsumiert wurde, haben wir allerdings die Wirtefamilie während drei Tagen wirksam unterstützt.

Und nun zum Schluss nochmals ein grosses Danke an Edi und René, die alles so mustergültig vorbereitet  und uns diese Reise und den tollen Aufenthalt hier möglich gemacht haben !